Was ein Unternehmen heutzutage alles haben muss?
Eine Vision, ein Mission Statement, eine Unternehmensphilosophie usw. usw.
Da steckt richtig Arbeit dahinter. Allerdings habe ich hin und wieder den Eindruck, dass es sich mit diesen Dingen hin und wieder so verhält wie mit dem Thema "ISO-Zertifizierung": "Hauptsache, man hat es!
Nun gut - zugegeben: Es ist auch nicht einfach z.B. ein Mission Statement zu formulieren. Zunächst einmal müsste man ja wirklich wissen, was das ist, was man da formulieren soll. Schlägt man fünf einschlägige Fachbücher auf hat man gleich fünf unterschiedliche Definitionen zur Hand - und ist dann halt auch nicht schlauer.
Und wenn man sich dann für eine Definition entschieden hat, dann kommt der schwierigste Teil: Die Formulierung.
Man legt sich ja auch ungern fest, möchte damit am liebsten alle im Boot haben und keinem auf die Füsse treten und so richtig festlegen mag man sich auch nicht. Wer weiß denn schon, was das Morgen bringt?
Also orientiert man sich an den anderen - meist an den Grossen - was dei da schreiben, kann ja nicht ganz falsch sein. Nachdem man sich dann eine Sammlung wohlklingender Wortungetüme zu Gemüte geführt hat, fallen einem die Schuppen von den Augen: "Aha - da steckt System dahinter:
- Lege Dich niemals fest!
- Formuliere so, dass jeder alles hinein interpretieren kann!
- Versuche alle zu gewinnen und niemandem auf die Füsse seiner Befindlichkeiten zu treten!
- Verwende Worte, die sowieso niemand versteht!
Das liest sich dann z.B. so:
xy ist die technologisch kompetente Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Unser Leistungs- spektrum reicht von der angewandten Forschung und Entwicklung über hochwertige Prüf- und Messtechnik bis hin zu marktgerechter Umsetzung. Unseren Kunden bieten wir Qualität, Flexibilität und strikte Neutralität.
Aha, "technologisch kompetent". Bedeutet das nun, dass xy in anderen Bereichen eher inkompetent ist?
"Schnittstelle" - das kenne ich von meinem PC, aber was heisst das hier.
"... bieten wir Qualität" - sorry was sonst?!
Ich frage mich, welchen Sinn genau ein Mission Statement haben muss und soll. Ich glaube nicht, dass es leicht ist ein solches zu formulieren, aber ich habe hin und wieder den Eindruck, dass diese Worte eher aus der Feder von professionellen Schreibern stammt, als aus dem Munde des Teams an der Front, das sich schließlich diesem mission statement verpflichtet fühlen sollte.
Erlebt in einem grossen deutschen Konzern:
Ich hatte dort einen Trainingsauftrag für die zweite Führungsebene. Die Personalabteilung drückte mir bei einem Meeting einen Karton mit Hochglanzprospekten mit, mit der Bitte, diese im Seminar zu verteilen. Sie haben richtig geraten: Es war das neue Mission Statements dieses Geschäftsbereichs. Die Reaktion eines Teilnehmer: "Was sollen wir damit? Erstens wurde das von irgendwelchen Diplom-Philosophen geschrieben, zweitens versteht es keiner.".. und warf die teure Broschüre in den Papierkorb hinter sich. (????)
Um nun etwas den Ernst aus dem Thema zu nehmen, heute morgen fand ich zum Thema "Formulierungshilfe für Mission Statements" im Internet Achimowitz Spruchkopfamtomat:
O-Ton: "Sie müssen unter Zeitdruck eine Vision entwicklen. Es muß nach Innovation und Weltherrschaft klingen - aber niemand darf verstehen, worum es geht. Das ist das Einsatzgebiet des ACHIMOWITZ-Mission-Statement-Klopfomats."





